Lego® Serious Play® – Eine Methode auch für große Gruppen?

von Clemens Böge

Seit ziemlich genau sieben Jahren nutze ich Lego Serious Play in meiner Arbeit als Berater und Moderator – und das noch immer mit der derselben Neugier und Begeisterung. Es ist immer wieder spannend, die Entstehung der Modelle zu beobachten und den Geschichten der Teilnehmenden zu lauschen. Und wenn diese Arbeit dann auch noch nachhaltig wirksam ist, bin ich ehrlich zufrieden (wie zuletzt, als eine Kundin mir berichtete, dass die Strategiearbeit zwei Jahre zuvor als „der Lego-Workshop“ und rundum positives Ereignis in die Geschichte der Organisation eingegangen ist).

Eine kleine Einschränkung der Nutzung bei von Lego Serious Play ist es, dass die Anzahl der Teilnehmenden (bei einem „klassischen“ Einsatz) eine Grenze hat. Optimal ist es nach meiner Erfahrung, mit 6-8 Personen zu arbeiten. Diese Gruppengröße bietet einerseits eine ausreichend große Vielfalt an Perspektiven und Ideen. Gleichzeitig bleibt der Austausch spannend und der Prozess dynamisch und abwechslungsreich. Schon bei 10 Personen bekommen die Storytelling-Sequenzen eine gewisse Länge und können ermüdend sein. Dann auch noch ein gemeinsames Modell zu gestalten, das von allen inhaltlich getragen wird, ist sehr anspruchsvoll.

Wie kann’s gehen?

Es gibt jedoch Situationen und Zielsetzungen, bei denen Lego Serious Play auch in Großgruppen sinnvoll genutzt werden kann. Ich habe das bereits ein knappes Dutzend Mal umgesetzt, bei Gruppengrößen von 25 bis 50 Personen.
Das Basissetting ist grundsätzlich dasselbe wie im klassischen Einsatz, nur dass ich aus der einen großen Gruppe mehrere Kleingruppen bilden muss. Je nachdem, worum es geht, können diese Gruppen homogen oder heterogen sein, ich kann mich dabei an Struktur, Rollen oder anderen Merkmalen orientieren, oder die Gruppenbildung bewusst dem Zufall überlassen. Als Material nutze ich meist die sog. Exploration Bags, die sich auch bei großen Gruppen gut transportieren und verteilen lassen.

lego serious play exploration bags
Das Bauen und das Geschichtenerzählen erfolgt zunächst nur in den Kleingruppen. Die Anleitungen dafür kommen aufgrund der Größe von Gruppe und Raum via PowerPoint und nicht vom Flipchart. Im Idealfall gibt es mehrere Facilitators – eine Person kann gut zwei Tische betreuen.

Das Warm-Up (im Lego-Jargon auch Skillsbuilding genannt) erfolgt ausschließlich an den Tischen. Sobald die Fragen spezifischer und damit für alle interessanter werden, braucht es eine Form von Vergemeinschaftung. Dazu liegen auf den Tischen Stifte und Sticky-Notes bereit und jeder Tisch fasst nach dem Storytelling die wichtigsten, häufigsten oder prägnantesten Inhalte zusammen und präsentiert kurz. Manchmal werden diese Berichte auch beispielhaft durch Modelle ergänzt. Das Facilitator-Team reflektiert mit den Teilnehmenden die tischübergreifenden Ergebnisse, fragt z.B. nach Beobachtungen, Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Auf diese Weise ist es gut machbar, zwei bis drei relevante Fragestellungen zu bearbeiten und zu einer Art Zwischenergebnis zu kommen, das mit anderen Methoden weiterbearbeitet werden kann. Eine solche Session dauert dann ca. 1,5 bis zwei Stunden.

Was kann erreicht werden und was nicht?

Einige Stärken von Lego Serious Play werden auch in einem solchen Setting wirksam. Menschen kommen zusammen, fokussieren sich auf dasselbe Thema und tauschen sich spielerisch und auf Augenhöhe aus. Individuelle Perspektiven werden sichtbar, im Wortsinn „begreifbar“ und dadurch besprechbar. Bei meinen bisherigen Einsätzen haben die Großgruppen auf diese Weise z.B. Begriffe konkretisiert und mit Leben gefüllt (Sustainability), die eigenen Ressourcen sichtbar gemacht („Unsere Superkräfte“) oder die Besonderheiten und Marotten der Gruppe reflektiert (man könnte auch Kultur dazu sagen).

Was ich in großen Gruppen nicht empfehle, ist der Versuch, gemeinsam zu bauen und/oder sich auf etwas zu einigen. Mit 50 Personen gemeinsam ein von allen getragenes Zukunftsbild mit Lego zu kreieren, halte ich für sehr gewagt. Dafür braucht es mehr Zeit, mehr Details und mehr Dialog (vor allem mehr Zuhören), als ein Großgruppen-Setting bieten kann. Somit liegt auch das Einsatzgebiet von Lego Serious Play bei großen Gruppen eher im Bereich Teaming als im Bereich Strategie(-entwicklung).

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